Die diskriminierende Diskriminierung

Die diskriminierende Diskriminierung

Wenn man Artikel in deutschen Medien liest oder hört, kann man zu dem Schluss kommen, dass Rassismus generell von Menschen mit weißer Hautfarbe gegenüber Menschen mit schwarzer Hautfarbe ausgeübt wird. Ich habe einige Jahre in Hongkong gelebt und habe dort Verhalten erlebt, das ebenfalls als rassistisch betrachtet werden kann. In Hongkong stellen Chinesen die Bevölkerungsmehrheit, Menschen mit weißer Hautfarbe sind eine Minderheit.

Folgendes habe ich erlebt:

  1. Ich ging damals mit meiner Verlobten (meiner jetzigen Frau) händchenhaltend spazieren als eine alte Frau direkt vor uns ausgespuckt hat. Hinweis dazu: Meine Frau ist Chinesin.
  2. In der U-Bahn hat sich ein Mann umgesetzt als ich mich neben ihn gesetzt habe.

Auch der Begriff „Gwailo“ – (westlicher) Ausländer – kann als rassistisch angesehen werden (s.u.). Der Begriff hat mich allerdings nie gestört. Und wie Sie an den aufgeführten Erlebnissen sehen können, habe ich in den 6 Jahren, die ich Hongkong gelebt habe, auch nicht ständig rassistisches Verhalten erlebt.

Nun zur Frage, ob sich der Rassismus überwinden lässt.

Ich denke, dass er niemals vollständig überwunden werden kann, da die Ursache dafür im Menschen direkt angelegt ist: Menschen bilden Gruppen. Diese Gruppen sind umso stabiler je mehr Merkmale (insbesondere gesellschaftlicher Status) übereinstimmen.

Nehmen wir folgendes Scenario an: Eine Gruppe Punker und eine Gruppe Banker begegnen sich auf dem Bürgersteig. Die Punker werden wahrscheinlich auf die Banker herabsehen („Stock im A…“), während die Banker auf die Punker herabsehen werden („Gesindel“). Beide Gruppen agieren gleich, weil sie sich sehr stark von der jeweils anderen Gruppe unterscheiden.

Beim Rassismus ist es das gleiche Verhalten: Eine Gruppe schaut auf die andere Gruppe herab, in diesem Fall ist es die Hautfarbe und nicht Haarschnitt oder Kleidung wie im obigen Beispiel.

Gibt es in Deutschland Diskriminierung? Ja.
Gibt es in Deutschland ein Gesetz gegen Diskriminierung? Ja, Artikel 3 GG.
Wird in Deutschland Diskriminierung gesetzlich erlaubt? Ebenfalls ja.

Artikel 3 GG (aktuelle Fassung¹) im Wortlaut:
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Artikel 3 GG (von 1949²) im Wortlaut:
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

In der aktuellen Fassung ist Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 eine Negierung von Artikel 3 Absatz 3. Denn: wenn der Staat Frauen gezielt fördert, so werden sie bevorzugt, was Artikel 3 Absatz 3 widerspricht.

Auch mussten über Jahrzehnte nur Männer der Wehrpflicht nachkommen, was ebenso eine Benachteiligung (je nach Standpunkt der Männer oder Frauen) war. Ich denke, dass sämtliche Gesetze in Deutschland hinsichtlich Diskriminierung evaluiert und ggf. geändert werden müssen, denn der Staat muss neutral sein. Daher sollten auch alle Staatsbediensteten (Beamte und Angestellte) eine Anti-Diskriminierungsausbildung erhalten. Dies bezieht sich auf alle Diskriminierungen und käme dem (nie zu erreichenden Ideal) ein gutes Stück näher.

 

Marin Henke

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Quellen:

1: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/BJNR000010949.html

2: http://www.documentarchiv.de/brd/1949/grundgesetz.html

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